| Veranstalterinfo |
Galerie der HfbK Lerchenfeld 2 - 2.Stock 22081 Hamburg 0179 - 94 59 317 galerie@hfbk-hamburg.de Größere Kartenansicht Profil Mögliche Ereignisse Allgemeines Konzept zur Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2007. Ausstellungen sollen immer häufiger zum Spektakel, zum Event, zum Ereignis werden. Eine Ausstellung soll durch ihre Exponate und durch die involvierten Künstlersubjekte, die ihre Arbeiten und sich exponieren dürfen, über das ‚Normalmaß’ herausragend sein. Die Rezipienten sollen überwältigt sein und eine breite Öffentlichkeit muss erreicht werden. Ein Spektakel oder ein Ereignis soll ein Abenteuer, etwas Überraschendes – zumindest für die Rezipierenden – werden. Die Inhalte des Spektakels und des Ereignisses sowohl auch die Begriffe selbst sind dabei in eine wohl durchgeplante Ökonomie und Organisation eingebunden. Für die Ausstellungsmacher und die Geldgeber soll eine Ausstellung ein kalkulierbarer oder zumindest erwartbarer Erfolg werden. Die Galerie der HFBK Hamburg indes muss sich solchen Prozessen nicht hingeben: Sie fungiert als eine Art ‚Schaufenster’, das von Studierenden der HFBK bespielt und betrieben wird, und ist daher in eine Ökonomie der Aufmerksamkeit eingebunden, die aber mit ihrer Wirkung vor allem innerhalb der institutionellen Struktur der Hochschule verbleibt. Gleichfalls schützt diese Struktur die Galerie oder schirmt sie ab vor einer breiteren Öffentlichkeit, sei es auch eine kleineren wie die der künstlerischen Off-Szene. So können in der Galerie auch Experimente möglich sein, die in anderen Zusammenhängen aufgrund eines Erfolgsdrucks nicht möglich sind. Für mich als künstlerischer Leiter soll die Galerie der HFBK daher vor allem ein Ort des Experimentierens bleiben und auf diese Weise überraschend sein. Trotzdem bzw. deswegen möchte ich das Phänomen des Ereignisses als gedanklichen Ausgangspunkt für die Ausstellungen in der HFBK-Galerie aufgreifen, da er m.E. für alle Beteiligten (Studierende, Kurator, HFBK als Institution) für die jeweils eigene Arbeit in spezifischer Weise eine Wichtigkeit besitzt. Wie Derrida in einem kurzen Text zeigt (1), macht jedes Wissen von einem Ereignis und jede Planung das Ereignis selbst zunichte: Es ist nur das tatsächlich ein Ereignis, wenn etwas sich ereignet, eine Singularität stattfindet. D.h. ein Ereignis ist etwas, das jemandem in gewisser Weise ohne ein Wissen davon zufällt und den geplanten Ablauf unterbricht. In sofern sind nach Derrida geplante Ereignisse oder ein Wissen über Ereignisse eine Unmöglichkeit. Derrida behauptet weiter, dass es unmöglich sei, im voraus von einem Ereignis zu sprechen, da ein Sprechen nur nach einem Ereignis stattfinden könne. Wie kann man einen solchen radikalen Begriff von Ereignis überhaupt in eine geplante Ausstellung, in ein Konzept einführen oder in die Entwicklung einer künstlerischen Arbeit einfließen lassen, ohne dabei das ‚Ereignishafte’ zu negieren? Und was kann ein Ereignis sein? Die Frage ist dabei auch, wer welches Wissen haben darf und für wen sich schließlich wann ein Ereignis ergibt. Weil Wissen und dessen Produktion mit Machtstrukturen zusammen hängt, ist ein Ereignis nicht ahistorisch und unpolitisch (2). Und trotzdem geht es um einen spezifischen Moment der Produktion, einen Augenblick der Entscheidung, der bedeutsam wird und daher erst im Nachhinein als bedeutsam bezeichnet werden kann. Insofern ist ein Ereignis das Auftreten von etwas Anderen oder eines Anderen, also eine Konfrontation und ein daraus resultierendes Ausloten und Ausprobieren; die Entscheidung also für gewisse Handlungsweisen und Argumentationen in einem bestimmten Moment. Es ist daher auch möglich, dass ein Scheitern einer zunächst (selbst) gestellten Aufgabe zu einem interessanten und vorzeigbaren künstlerischen (Zwischen-)Ergebnis werden kann. Dennoch soll für Austellungen in der Galerie die Präsentationsform und die Nachvollziehbarkeit für Außenstehende berücksichtigt werden . Diese Fragen möchte ich bei der Betreuung der Galerie und bei der Organisation der Veranstaltungen mit einfließen lassen. Dies hat zunächst z.B. folgende Auswirkungen auf die Organisation von Ausstellungen, wobei es mir nicht um eine völlige Unplanbarkeit geht: Ich werde versuchen, mich zurückzuhalten bestimmte Arbeiten einzuladen, zu kuratieren und anzuordnen. Ich möchte vielmehr auf der Ebene des Ansprechens agieren: D.h. ich werde Personen einladen oder mich von solchen ansprechen lassen, die eine Arbeit entwickeln wollen und denen die Galerie zur Verfügung gestellt wird. Die Arbeit selbst, ihre Form oder das Ergebnis ihrer Entwicklung muss nicht feststehen. Die Galerie soll als Ort der Produktion und der Diskussion fungieren. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema des Ereignisses muss dabei nicht im Vordergrund stehen, sondern sie kann im Hintergrund mitlaufen, so dass im Vordergrund ganz andere Aspekte und Themen sichtbar sind. Für einzelne Veranstaltungen können inhaltliche Schwerpunkte gebildet werden, wobei auf den Anspruch verzichtet wird, eine Vollständigkeit oder die Gesamtheit der HFBK abzubilden zu können, wenngleich darauf geachtet werden soll, verschiedene und auch einander entgegen gerichtete Stimmen hörbar zu machen. Insofern möchte ich mich auch selbst überraschen lassen, was die jeweils Eingeladenen präsentieren werden. Erich Pick 1 Derrida, J.: Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen, 2003, Merve S. 20 ff. 2 Siehe dazu auch das Gespräch zwischen A. Spiegel und H.-J. Lenger, in: Newsletter der HFBK, Nr. 33, 2006. Für die Angaben zu Terminen, Adressen und Verantwortlichkeiten zeichnet der Veranstalter. |
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